Fundraising als Führungsaufgabe
Fundraising wird in vielen Organisationen einfach «den Zuständigen» überlassen. Doch wer sich auf Spenden verlässt, sollte Fundraising nicht delegieren – sondern führen.
Fundraising gilt oft als Aufgabe, die irgendwo im Organigramm ihren Platz findet: in einem Team, einer Abteilung, bei den «Profis». Das ist verständlich, denn Fundraising hat Strukturen, Abläufe und Methoden. Aber es ist nur die halbe Wahrheit.
Gerade in spendenfinanzierten Organisationen wie der Stiftung Pro Pallium ist Fundraising viel mehr als eine operative Funktion. Es ist eng verbunden mit der Frage, wer wir als Organisation sind, wofür wir stehen und wie klar wir das nach aussen tragen. Und genau deshalb gehört Fundraising in die Führung.
Fundraising beginnt lange vor der ersten Spende
Wenn Menschen uns unterstützen, dann nicht, weil ein Mailing schön gestaltet ist. Sondern weil sie uns etwas zutrauen: dass wir sorgfältig handeln, verlässlich sind und eine Aufgabe erfüllen, die ihnen am Herzen liegt.
Fundraising ist deshalb im Kern Vertrauensarbeit.
Und Vertrauen entsteht nicht in einer Abteilung, sondern es entsteht durch das Verhalten der ganzen Organisation. Durch Klarheit, durch Prioritäten, durch die Art, wie wir über unsere Arbeit sprechen.
Das sind alles Führungsaufgaben.
Fundraising zwingt zu Klarheit. Das ist gut so.
Wenn wir um Unterstützung bitten, müssen wir sagen können:
- Wofür wir stehen.
- Was wir bewirken wollen.
- Warum unsere Aufgabe wichtig ist.
Diese Klarheit entsteht eben auch in der Leitung, im Austausch, in strategischen Diskussionen. Fundraising funktioniert nur dann gut, wenn eine Organisation weiss, wohin sie will und das selbstbewusst vermitteln kann.
Ich erlebe das bei uns sehr deutlich: Unsere Arbeit ist komplett spendenfinanziert. Ohne Menschen, Unternehmen und Organisationen, die uns vertrauen, gäbe es keine Einsätze bei Familien mit schwerstkranken Kindern, keine Freiwilligenschulungen, keine Begleitungen oder Beratungen zu Hause. Ohne Fundraising gäbe es unsere Wirkung nicht. Darum ist Fundraising bei uns nicht «etwas Zusätzliches». Es ist Teil der Verantwortung, die wir gegenüber den Familien tragen.
Die unbequeme Seite: Führung muss sichtbar sein
Fundraising bedeutet manchmal, Fragen zu stellen, die man in Führungsrunden am liebsten vermeiden würde: Können wir das überzeugend erklären? Sind wir mutig genug, klar zu kommunizieren? Stehen wir hinter dem, was wir sagen?
Das ist nicht immer bequem. Aber genau dort entsteht Wirkung.
Denn wer Fundraising führt, führt automatisch die Ausrichtung der Organisation.
Und die gute Nachricht: Führung macht Fundraising einfacher
Je klarer eine Organisation geführt wird, desto leichter wird Fundraising:
- Menschen spüren, wofür wir stehen.
- Botschaften werden authentischer.
- Entscheidungen werden nachvollziehbar.
- Vertrauen wächst.
Fundraising ist dann kein «Bitten um Geld» mehr, sondern ein ehrliches Angebot: Möchtet Ihr ein Teil davon sein, Familien in einer extremen Zeit zu entlasten?
Fazit: Fundraising lässt sich delegieren. Verantwortung nicht.
Teams können Kampagnen entwickeln, Events planen oder Spenden betreuen. Aber die Grundlage dafür, dass Menschen überhaupt geben wollen, entsteht an einem anderen Ort: in der Führung.
Oder in einem Satz: Fundraising ist Führungsaufgabe, weil es nicht um Geld geht. Sondern um Vertrauen.

Veronika Hutter, Geschäftsführerin von Pro Pallium