Andrew Bond im Gespräch
Vor rund 25 Jahren ist sein Erstlingswerk «Zimetschtern han i gern» erschienen. Heute sind Andrew Bonds Lieder aus den meisten Familienstuben, Kindergärten und Schulzimmern der Deutschschweiz kaum mehr wegzudenken. Am 21. September tritt er anlässlich des Kinderfestes von Pro Pallium in der Schützi Olten auf. Ein Gespräch über Backzauber, Stuben-Charme und Lebensbejahung.

Andrew Bond, Sie gehören seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Kinderliedermachern und Musikern in der Schweiz. Wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen?
Musik spielte von Kindesbeinen an eine wichtige Rolle in meinem Leben. Deshalb engagierte ich mich schon früh in diesem Bereich; während vielen Jahren als Musik- und Religionslehrer an der Oberstufe, aber auch Gründer und Leiter eines Jugendhauses. Später als Vater bemerkte ich, wie mir in gewissen Alltags- und Lebenssituationen schlichtweg die passenden Lieder fehlten. Dabei war es mir ein Bedürfnis, über das Leben zu singen und damit die vielen simplen, aber schönen Augenblicke zu feiern.
Augenblicke wie das Backen?
Genau, zum Beispiel das Backen von Weihnachtsguetzli mit unseren Kindern. In diesem Moment wollte ich ganz einfach über das festliche und feierliche Erlebnis des Backens singen – mit dem Mehl, den klebrigen Fingern, dem feinen Duft, der guten Stimmung und so weiter. So entstand das Lied «Zimetschtern hani i gern» – und bald darauf eine CD zu den Themen Herbst, Advent, Winter und Weihnacht. Diese liess ich für Freunde und Kollegen pressen, der Kreis an Interessentinnen und Interessenten vergrösserte sich jedoch ziemlich schnell …
Bis heute wurde die CD über 150‘000-mal verkauft. Wie hat sich Ihre Musik in den letzten 25 Jahren verändert?
Ich denke heute ist die ganze Musikproduktion sicherlich professioneller geworden. Wenn ich in mein erstes Album rein höre, denke ich manchmal schon: «Hätte ich das hier und dort nicht etwas besser, etwas genauer spielen können?» Aber ich bin damals auch völlig unbedarft an die ganze Sache herangegangen. Vielleicht hat das Album deshalb auch einen bestimmten Stuben-Charme. Heute arbeite und feile ich etwas länger an meinen Texten, auch aufgrund von Kriterien und Feedbacks, die ich mir über die vergangenen Jahre zu Herzen genommen habe. Aber grundsätzlich würde ich sagen, dass sich nichts verändert hat. Wir leben in einem Alltag mit Sonnen- und Schattenseiten, das war früher und ist auch heute so.
«Musik dringt in viel tiefere Schichten ein, als die Sprache allein es vermag.»
Was hat Ihnen gezeigt, dass Musik für Kinder mehr ist als nur Unterhaltung?
Da gibt es unzählige Erlebnisse. Schon allein in der Jugendarbeit damals haben wir Musik enorm vielseitig eingesetzt – neben Unterhaltungszwecken auch zum Wecken morgens, zum Trösten, zur Schaffung von Teamgeist und Motivation, zur Reflektion. Musik war für mich nie nur eine Kunstform, die für sich alleinsteht. Sie war nie die Herrin, sondern eine Dienerin. Ein weiteres Beispiel: Ich wurde einmal von den Eltern eines schwer beeinträchtigten Jungen kontaktiert. Das Kind konnte sich nur sehr eingeschränkt bewegen und ausdrücken, doch anscheinend hörte es immer mein Lied «Suneschtraal tanz emaal». Da besuchte ich die Familie, um für den Jungen ein Konzert zu spielen – und plötzlich hob er merklich den Arm und bewegte ihn zu meiner Musik. Es war ein unheimlich bewegender Moment. Und er zeigte einmal mehr: Musik dringt in viel tiefere Schichten ein, als die Sprache allein es vermag.
«Meine Mission ist: Komm, lass uns übers Leben singen, weil es einfach guttut!»
Ihre Lieder sind fröhlich, fantasievoll und lebensnah. Was inspiriert Sie beim Komponieren?
Ich glaube mein Drang, immer an einem neuen Projekt zu arbeiten, ist genetisch bedingt (lacht). Inspirieren lasse ich mich ganz einfach vom Alltag – er ist voll von Ideen. Natürlich erhalte ich aber immer wieder auch Anregungen von aussen, die ich gerne annehme. Meine Mission ist: Komm, lass uns übers Leben singen, weil es einfach guttut!
Sie haben einen vollen Terminkalender und beinahe jedes Wochenende Auftritte in der ganzen Schweiz. Weshalb haben Sie sich entschieden, das Jubiläumsfest von Pro Pallium zu unterstützen?
Ich habe tatsächlich viele Anfragen für Benefiz-Konzerte oder andere Unterstützungsaktivitäten. Doch auch meine Tage haben nur 30 Stunden. Ich «siebe» diese Anfragen deshalb ein bisschen, mein Sieb hat folgende Löcher: Ich unterstütze immer gerne Projekte für benachteiligte Kinder oder Kinder mit speziellen Bedürfnissen. Auch das Seelsorgerische, Fürsorgerische liegt mir am Herzen. Schon als Junge – ich bin in England geboren – habe ich immer zu mir selbst gesagt: «Careful, Andrew, careful», auf Deutsch «Trag Sorge.» Das ist seit jeher mein Lebensmotto.
Verraten Sie schon, was die Gäste an Ihrem Konzert in Olten erwartet?
Derzeit bin ich mit meiner Planung noch nicht so weit, aber es wird in erster Linie ein Konzert zum Mitsingen. Es soll auch keine Therapiestunde werden, schliesslich feiern wir ein Jubiläum – und Lebensbejahung ist eine extrem wichtige Kapazität in schwierigen Lebenssituationen.
Sie erhalten immer wieder Rückmeldungen von Menschen, dass ihre Lieder ihnen in schwierigen Lebenssituationen Hoffnung und Halt gespendet haben. Was bedeutet für Sie persönlich Hoffnung?
Hoffnung ist für mich kein Zauberstab, der schlechte Geschehnisse verhindern kann. Sie ist eher eine Kraft, die Hilft, das Leben und seine schwierigen Seiten auszuhalten. Auch ich war in meiner Kindheit mit schwierigen Erlebnissen konfrontiert, mit Krankheit und Todesfällen. Insbesondere während der vier Jahre, in welchen ich mit meinen Eltern in Afrika lebte. Das widerspiegelt sich auch in meiner Musik, zum Beispiel in «Wältwunder, Wunderwält», einem Lied über die Entstehung der Welt. Hier frage ich «Erde, Garte, Himmelszält – sind ihr cho, eifach so? Oder chömed ihr, vo Gott?» – niemand hat darauf eine Antwort. Denn manchmal gibt es einfach keine Erklärung für die Dinge, die geschehen. Auch nicht für die schlimmen Dinge – hier kann die Hoffnung helfen.
Herr Bond, was macht Sie als Kinderliedermacher glücklich?
Es sind nicht die verkauften Tonträger! Viel mehr sind es die besonderen, magischen Momente im Leben – wenn ich einem Gefühl ein Lied widmen und ihm damit eine Sprache geben kann. Und wenn ich zum Lebenssoundtrack von Menschen beitragen kann – so hat sich kürzlich an der Migros-Kasse die Mutter eines Kindes zu mir umgedreht und gesagt: «Schau, das ist der Mann, der den «Suneschtraal» erfunden hat.» Das Kind hat gestrahlt, und ich auch.
Jetzt Tickets sichern: Konzert am Jubiläumsfest von Pro Pallium
Anlässlich des Kinderfestes am 21. September bringt Liedermacher Andrew Bond seine schweizweit bekannten Hits in die Schützi Olten – ein Konzert für die ganze Familie! Wer dabei sein will, kann sein Ticket jetzt online kaufen. Wichtig: Empfohlen wird eine Konzertteilnahme ab 3 Jahren.