Jedes Jahr am ersten Juliwochenende wird das Mattertal zur Bühne für einen der eindrucksvollsten Laufevents Europas: den Gornergrat Zermatt Marathon. Bei der nächsten Austragung am 5. Juli 2025 ist Pro Pallium als stolze Sozialpartnerin mit dabei – pünktlich zum 20-Jahr-Jubiläum der Stiftung. Auf zwei bewegte Jahrzehnte blickt auch Andrea Schneider zurück: Zwanzig Jahre lang prägte sie den Berglauf als Geschäftsleiterin entscheidend mit. Nun gibt sie den Staffelstab weiter – und schaut zurück auf eine Zeit voller Höhen, Herausforderungen und Herzensmomente.

Wer den Zermatt Marathon läuft, stellt sich einer der schönsten und härtesten Herausforderungen der Alpen. Von St. Niklaus bis auf den Riffelberg geht es über 42 Kilometer und fast 2‘000 Höhenmeter – immer mit dem ikonischen Matterhorn im Blick. Hier zählt nicht nur die Zeit, sondern auch der Wille, der Atem und der Blick für die spektakuläre Natur. Ins Leben gerufen wurde der besondere Laufevent im Jahr 2002, drei Jahre später übernahm mit Andrea Schneider eine gebürtige Bernerin die Leitung der Geschäftsstelle – und hielt während 20 Jahren die Marathon-Fäden in der Hand.
Schritt für Schritt zum Grossevent
«Eigentlich war ich ja immer in den Ballsportarten zu Hause», berichtet Schneider schmunzelnd. Erst als ihre Tochter den Kindergarten besuchte, habe sie angefangen zu joggen. Zu dieser Zeit lebte sie mit ihrem damaligen Mann und ihren beiden Kindern in St. Niklaus. «Wer diesen Ort kennt, weiss: Hier geht es fast nur bergauf oder bergab.» So habe sie ihre Leidenschaft fürs Laufen und den Berglauf entdeckt. Ihr erster offizieller Lauf: Der Grand Prix von Bern, an welchem sie gemeinsam mit ihrem Bruder startete. Eine einmalige Sache blieb es nicht, der GP wurde zum festen Bestandteil ihrer Jahresplanung – in ihre Sammlung gesellten sich noch weitere Startnummern, etwa diejenige des Aletsch Halbmarathons oder des Matterhornlaufs. Trainiert hat sie zu jener Zeit im lokalen Laufklub von St. Niklaus – durch diesen habe sie 2005 auch erfahren, dass der Zermatt Marathon eine neue Geschäftsleitung suchte. «Für mich war schnell klar: das machst du jetzt!» Ein Sprung ins kalte Wasser, ins eiskalte sogar. Denn die damals 36-Jährige hatte neben einer KV-Ausbildung keinerlei Erfahrung im Event- oder Marketingbereich vorzuweisen. «Ich weiss noch, wie sich während unserer ersten OK-Sitzung ein Gefühl der absoluten Überforderung in mir breit machte», gesteht Schneider. Nur dank des starken Teamzusammenhalts und viel Herzblut auf allen Seiten gelang es der Hobbyläuferin, langsam das Ruder in die Hand zu nehmen und sich Schritt für Schritt bis zur erfolgreichen Durchführung ihres ersten Zermatt Marathons vorzuarbeiten. «Stets ein bisschen überfordert, aber sukzessive immer ein bisschen vorwärts – es hat sich fast ein wie ein Berglauf angefühlt, bei dem man am Ende zwar erschöpft, aber überglücklich die Ziellinie überquert.»
Von der Riesenkiste zur Coronakrise
Die Jahre vergingen, und die Teilnehmerzahl des Laufevents stieg von 500 über das fünffache auf 2‘700 an. Mittlerweile haben sich zum klassischen Marathon noch ein Ultramarathon, ein Staffelmarathon, ein Halbmarathon sowie ein TOP20RUN hinzugesellt – aus dem Zermatt Marathon ist ein Grossanlass für die breite Öffentlichkeit mit internationaler Ausstrahlung geworden. Wenn Andrea Schneider auf die vergangenen 20 Jahre zurückblickt, dann kommt sie um zwei grosse Highlights nicht herum: Zum einen war dies die Durchführung der Berglauf-EM 2019. Am Folgetag nach dem offiziellen Zermatt Marathon sollte also ein zweiter, noch grösserer Event mit Läuferinnen und Läufern aus ganz Europa stattfinden. Auf die Beine gestellt wurde er in Zusammenarbeit mit dem Kontinentalverband European Athletics und Swiss Athletics, dem Schweizer Leichtathletikverband. «Für uns war dies eine Riesenkiste, ein enormer Kraftakt, der viel Organisationsgeschick, Herzblut und Schweiss erforderte. Aber es hat sich gelohnt.»

2020 befand sich die Welt im Corona-Ausnahmezustand – der Zermatt Marathon musste pausieren. «Aufgrund der anhaltenden Restriktionen des Bundes war jedoch auch 2021 bis kurz vor dem Renntag nicht klar, ob wir den Event durchführen konnten oder nicht.» Das Team war auf alles vorbereitet, organisierte unzählige Masken, stellte Testzentren auf, schuf getrennte Läuferbereiche und spezielle Sicherheitskonzepte. Als schliesslich das Go des Bundesrats für die Durchführung kam, spürten wir die Erleichterung bis ins Mark. «Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie so viele weinende, emotional berührte Menschen die Ziellinie überqueren sehen», berichtet Andrea Schneider mit Wehmut in der Stimme. Die Teilnahme an einem sportlichen Grossanlass habe vielen Menschen nach den monatelangen Einschränkungen enorm gutgetan.
Feeling nochmal erleben
Nun, 20 Jahre nach ihrem Marathon-Debüt, ist für die Bernerin die Zeit für eine neue berufliche Herausforderung gekommen. Sie gibt den Staffelstab an ihre Nachfolgerin Cristina Dähler ab. «Für mich stimmt es so, obwohl mir der Abschied natürlich nicht leichtfiel.» Dem Zermatt Marathon bleibt Schneider in diesem Jahr noch als Ressortverantwortliche im Festbereich erhalten – dazu gehört etwa die Organisation des erstmals angebotenen Kindernachmittags, des Hörnli Kids Run und der Pasta-Party.
«Wer weiss, womöglich wird man mich – wie in den letzten zwei Jahrzehnten – auch heuer nochmals im Zielbereich auf dem Riffelberg antreffen. Das einmalige Feeling und die Gänsehautmomente dort oben nochmals erleben, darauf freue ich mich!»
Ihr Jubiläumsjahr feiert die Stiftung Pro Pallium mit einer besonderen Zusammenarbeit: Als Sozialpartnerin des Gornergrat Zermatt Marathons 2025 bedanken wir uns für die Spende von 2‘000 Franken – sie fliesst in unsere Entlastungsarbeit. Offizielle Scheckübergabe ist am Samstag, 5. Juli 2025, während der Rangverkündigung beim Festgelände Oberen Matten.