«Gute Bildungsarbeit entsteht nicht isoliert»

Menschen stärken, damit sie Familien stärken können – das ist das Ziel von Cindy Studer. Seit dem 1. Juni 2026 leitet sie das Ressort Bildung bei Pro Pallium. Im Gespräch gibt sie Einblick in ihren beruflichen Weg, ihre Motivation und ihre Pläne für die Bildungsarbeit.

Cindy Studer-Seiler, was reizte Sie an der Aufgabe als Ressortleiterin Bildung?

Mich begeistert die Verbindung von Bildung, gesellschaftlicher Wirkung und der konkreten Unterstützung von Familien. Gut ausgebildete Freiwillige können im Alltag von Familien mit einem schwerstkranken Kind einen entscheidenden Unterschied machen: Sie schenken Zeit, entlasten und begleiten verlässlich.

Als Mutter bewegt mich zudem die Frage, was Familien trägt, wenn die schwere Erkrankung eines Kindes den Alltag bestimmt. Mit der Bildungsarbeit möchte ich dazu beitragen, dass Freiwillige fachlich fundiert, praxisnah und menschlich auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Gleichzeitig möchte ich Menschen ermutigen, ihre Stärken einzubringen und Teil dieses wertvollen Engagements zu werden.

Dafür bringen Sie ein breites Spektrum an Erfahrungen mit, unter anderem als Pfarrerin.

Genau. Mein beruflicher Weg verbindet Bildung, Führung, Seelsorge und Organisationsentwicklung. Während zehn Jahren war ich als Gemeindepfarrerin tätig und habe später Menschen als Trauerbegleiterin, Trauerrednerin und Klinikseelsorgerin begleitet. Gleichzeitig war ich viele Jahre im Bildungsbereich tätig und habe Führungs- und Entwicklungsverantwortung übernommen.

Heute vertiefe ich meine Kenntnisse mit einem Executive MBA an der Universität Zürich. Besonders wichtig ist mir, das grosse Wissen und die langjährige Erfahrung bei Pro Pallium aufzunehmen und gemeinsam mit dem Team weiterzuentwickeln.

Welche Schwerpunkte möchten Sie dabei setzen?

An erster Stelle steht für mich eine qualitativ hochstehende Basisschulung für neue freiwillige Mitarbeitende. Sie sollen gut vorbereitet in ihre Einsätze starten, Sicherheit gewinnen und wissen, dass sie Teil eines starken Netzwerks sind.

Darüber hinaus möchte ich die Bildungsarbeit weiter ausbauen. Das wertvolle Erfahrungswissen von Pro Pallium soll gesichert, weiterentwickelt und in zeitgemässe Bildungsangebote übersetzt werden – sowohl für Freiwillige als auch für Fachpersonen und Institutionen. Gemeinsam mit den Regionalleiterinnen, den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle und externen Fachpersonen möchten wir die Qualität unserer Angebote kontinuierlich stärken und noch mehr Familien erreichen.

Was bedeutet Ihnen die Bildungsarbeit in der pädiatrischen Palliative Care?

Bildung schafft die Grundlage dafür, dass Freiwillige Familien fachlich sicher, sensibel und reflektiert begleiten können. Mitgefühl und Engagement sind wichtig – gute Bildung ergänzt sie durch Wissen, Selbstreflexion und Klarheit über die eigene Rolle.

Gleichzeitig soll Bildung Mut machen. Niemand muss bereits alles können. Menschen dürfen lernen, Fragen stellen und Schritt für Schritt in diese verantwortungsvolle Aufgabe hineinwachsen. So stärkt Bildungsarbeit nicht nur die Freiwilligen, sondern auch die Qualität der Begleitung – und letztlich die Familien, die dadurch verlässliche Unterstützung erfahren.


Zur Person

Cindy Studer absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und studierte anschliessend Psychologie, Philosophie und Theologie. Nach zehn Jahren als Gemeindepfarrerin war sie als Trauerrednerin, Trauerbegleiterin und Klinikseelsorgerin tätig. Darüber hinaus verfügt sie über langjährige Erfahrung im Bildungsbereich und in Führungsfunktionen. Aktuell absolviert sie einen Executive MBA an der Universität Zürich. Seit dem 1. Juni 2026 leitet sie das Ressort Bildung bei Pro Pallium.