Alte Stärke, neue Wege: Bildung im Wandel

Pro Pallium ist in Bewegung: Mit gleich vier wegweisenden Projekten treibt die Organisation ihre Entwicklung voran. Neben dem Ausbau des Entlastungsangebots, der Trauerbegleitung für Familien und der digitalen Transformation rückt besonders ein Bereich in den Fokus: die Bildung. Doch was leistet dieser heute konkret, und wie stellt er sich auf die Erwartungen künftiger Freiwilliger ein?

Text: Roger Berger

Mehr Freiwillige, mehr Flexibilität, mehr Know-how: Das Bildungsressort von Pro Pallium wappnet sich für die Zukunft. Das dafür ins Leben gerufene Projekt «Bildung und Sensibilisierung» widmet sich im Wesentlichen drei Schwerpunkten:

  • Erhöhung der Schulungskapazitäten bei gleichzeitiger Qualitätssicherung
  • Flexibilisierung der Kurse, um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freiwilligem Engagement zu erleichtern
  • Evaluation und Entwicklung von Bildungsangeboten für externe
    Fachpersonen

Die Weiterentwicklung des Bereichs Bildung wurde wegen verschiedener Faktoren notwendig. Dank dem rasanten medizinischen Fortschritt der letzten Jahre überleben immer mehr Frühgeborene und Kinder mit herausfordernden Krankheitsbildern. Kinder, die heute öfter als früher, bei ihren Familien daheim leben. Dadurch ist auch der Bedarf nach Unterstützung und Begleitung im Alltag gewachsen.

Während früher viel Betreuungsarbeit innerhalb der bestehenden Familienstrukturen geleistet wurde, tragen die Individualisierung der Gesellschaft und der gesellschaftliche Wandel von Gross- zu Klein- und Kleinstfamilien dazu bei, dass in zunehmenden Masse Unterstützung von ausserhalb der Familie wichtig und unverzichtbar wird. Tatsächlich erreicht die spezialisierte Palliative Care heute gemäss der Fachgesellschaft «pädiatrie schweiz» nur etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen.

Mehr Junge und Berufstätige

Das bisherige Konzept und die Inhalte mit sechs Tagen Präsenzschulung in Olten haben sich gemäss dem Projektteam gut bewährt, doch befinde sich der Anspruch sowohl an Rahmenbedingungen als auch an Methoden im Wandel. Denn während sich früher vor allem Pensionierte und nicht erwerbstätige Frauen der Freiwilligenarbeit bei Pro Pallium zuwandten, sind es heute zunehmend jüngere und berufstätige Menschen. Diese können jedoch oft nicht mehrere Ferientage für die sechstägige Schulung in Olten und das zweitägige Praktikum in einer sozialen Einrichtung aufwenden.

Um auch berufstätigen Menschen die Teilnahme an der Ausbildung bei Pro Pallium zu ermöglichen und um die teils langen Reisewege nach Olten zu reduzieren, wird ein Teil der Schulungsinhalte neu auch remote angeboten: Von vier Kursen, die 2026 stattfinden, werden zwei wie bisher als reine Präsenzkurse angeboten. Zwei Kurse werden versuchsweise im Blended Learning durchgeführt (siehe Box).
Die Erfahrungen dazu fliessen laufend in die Weiterentwicklung künftiger Kursformate ein; Form und Inhalte werden bei Bedarf angepasst, wo möglich und sinnvoll werden spezifische Inhalte künftig auch online durchgeführt.

Mehr als nur Fachwissen


Die Basisschulung von Pro Pallium ist über viele Jahre gewachsen und wirdkontinuierlich weiterentwickelt. Sie verbindet fundiertes Fachwissen mit einem vertieften Bewusstsein für eine qualitativ hochstehende Entlastungs- und Begleitungsarbeit. Eine solide Grundlage bildet dabei das Basiswissen zu zentralen Themen wie Krankheitsbildern, ganzheitlicher Begleitung, Vernetzung sowie Krankheit, Sterben, Trauer und Ethik.

Gleichzeitig legt die Ausbildung grossen Wert auf persönliche und soziale Kompetenzen: Reflexionsfähigkeit, Rollenklarheit, Perspektivenwechsel sowie der achtsame Umgang mit den eigenen Ressourcen und Möglichkeiten der Selbstfürsorge stehen im Zentrum. Ergänzt wird dies durch die Sensibilisierung für systemische Wirkfaktoren und den bewussten Einsatz von Humor als unterstützendes Element in der Begleitungsarbeit.

Zwanzigjähriger Erfahrungsschatz

Um all diesen Ansprüchen an eine professionelle Ausbildung gerecht zu werden, wird Pro Pallium durch externe Fachleute unterstützt, die ihr Wissen und ihre praktische Erfahrung in die Ausbildung der Freiwilligen einbringen. Es sind jedoch nicht nur die Fachleute, die ihr Wissen an den Kursen weitervermitteln: umgekehrt fragen auch Fachleute und Organisationen Pro Pallium gezielt für Schulungen an. Der über zwanzig Jahre hinweg erworbene Erfahrungsschatz der Stiftung über Beziehungsarbeit, Entlastung und Kommunikation im häuslichen Umfeld wird hierbei sehr geschätzt. Diesen will Pro Pallium in Zukunft entsprechend kuratieren und für weitere externe Fachpersonen zugänglich machen – ganz im Sinne der Vernetzung und Sensibilisierung.

Kernanliegen Qualitätssicherung

Es zeigt sich ein steigendes Bedürfnis nach mehr gut ausgebildeten Freiwilligen, gleichzeitig entscheiden sich auch mehr Menschen für die Ausbildung bei Pro Pallium. Doch auch wenn die Stiftung diese Ausbildung überarbeitet und die Teilnahmekapazitäten erhöht, bleibt die Qualitätssicherung ein Kernanliegen. Nicht jede Person wird gemäss Projektteam automatisch eingesetzt, denn eine hohe Qualifizierung diene sowohl der Sicherheit von Familien als auch dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden, egal ob Freiwillige oder Angestellte. Unverzichtbar bleiben deshalb eine fundierte Ausbildung, klar definierte Ziele und Kompetenzen sowie gemeinsame, verbindliche Grundwerte. Ebenso wichtig sind die begleitete Einführung in die Praxis und die laufende Weiterbildung – etwa durch Austauschtreffen, Kurstage und Fachsymposien.

Wo steht das Projekt aktuell?

Das Konzept steht, Ablauf und Lernpakete sind entwickelt, die Umsetzungsphase mit dem ersten Blended-Kurs hat begonnen. Voraussichtlich in einem Jahr wird der Projektteil «Freiwilligenschulung» abgeschlossen sein. Das Ziel: Interessierte unabhängig ihres Wohnortes und ihres Berufs mit der Schulung erreichen. Generell sollen auch noch mehr online-affine Interessierte angesprochen werden.

Gross geschrieben wird laut Projektteam – trotz einer teilweisen Verlagerung in den virtuellen Raum – der Austausch von Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten und mit verschiedenen Hintergründen. In einer Atmosphäre, die Vertrauen schafft, in der man sich offen zeigen, lernen und wachsen kann.


Der erste Blended-Learning-Kurs für angehende Freiwillige ist im März 2026 gestartet und dauert bis kommenden August. Dieser Kurs verknüpft vier Module Präsenzunterricht in Olten mit zwei Modulen Selbststudium auf der Lernplattform von Pro Pallium – samt fachlicher Begleitung im Rahmen von Online-Tutorien zur Klärung und Vertiefung der Themen. Danach werden die Erfahrungen ausgewertet, evaluiert und wo notwendig Anpassungen vorgenommen. Der zweite Lehrgang startet im September 2026.